
TL;DR: Der Digitale Produktpass (DPP) kommt – dezentral, herstellerverantwortlich und in Stufen je Produktgruppe. Hersteller/Importeure liefern die Daten (oder beauftragen einen DPPS Service Provider). Verbraucher:innen sehen verständliche Infos (z. B. Energieeffizienz, Reparatur), Business-User erhalten zusätzliche Detaildaten. Erste delegierte Rechtsakte sind geplant (u. a. Eisen/Stahl/Aluminium ab 2026, Displays ab 2027). Frühestens ab Mitte 2027 wird der DPP für erste Produktgruppen verpflichtend. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Prozesse, Datenquellen und die technische Anbindung aufzusetzen.
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Dieser Blogbeitrag basiert auf unserem Podcast „DPP Deep Dive – Wissen zum digitalen Produktpass„.
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Was ist der Digitale Produktpass (DPP)?
Der DPP ist ein EU-Instrument aus der Ökodesign-Verordnung (ESPR). Ziel: Produktdaten entlang des Lebenszyklus standardisiert zugänglich machen – von Nachhaltigkeit über Sicherheit bis Reparierbarkeit.
Wichtig: Der DPP ist keine interne Datenbank, sondern ein externer, nutzbarer Datenzugang für Endnutzer:innen und Geschäftsanwender.
Kernprinzipien:
- Dezentrale Umsetzung: Daten liegen dort, wo sie entstehen (Hersteller/Importeur oder beauftragter Dienstleister).
- Offene, interoperable Schnittstellen statt eines zentralen EU-Datensilos.
- Zugänge für unterschiedliche Zielgruppen: Verbraucher:innen sehen verständliche Kerndaten; Business-User erhalten (berechtigungsgesteuert) mehr Tiefe.
Wie funktioniert das DPP-System (aus Nutzersicht)?

- Zentraler Einstiegspunkt: Der Prozess beginnt mit einem physischen Produkt, das mit einem QR-Code, einem NFC-Chip (o.ä.) ausgestattet ist. Die Person am Produkt findet den DPP-Zugang dort vor.
- Produktzentrierter Ansatz: Die Interaktion für den Endanwender startet durch das Scannen des Codes am Produkt. Dies ermöglicht den Zugriff auf die Produkt-ID oder eine zugehörige URL und führt den Nutzer direkt zum Digitalen Produktpass (DPP) auf seinem Endgerät.
- Datenquelle: Die im QR-Code hinterlegten Informationen – also die Daten, die nach dem Scan bereitgestellt werden – stammen in der Regel vom Hersteller.
- Datenhosting: Der Hersteller kann entweder eigene Server betreiben oder auf eine Cloud-Lösung zurückgreifen.
- Drittanbieter-Option: Alternativ kann die Verantwortung für das Datenmanagement an einen „Digitalproduktpass-Drittdienstleister“ (DPP-as-a-Service) ausgelagert werden.
Hinweis zum Status (Herbst 2025): Einen „EU-compliantes“ DPP kann aktuell noch niemand vorweisen – die delegierten Rechtsakte regeln das pro Produktgruppe.
Rollen & Verantwortung
- Hersteller/Importeur (Inverkehrbringer)
Trägt die Gesamtverantwortung für den DPP – Inhalte, Korrektheit, Verfügbarkeit. - DPP as a Service Provider
Übernimmt im Auftrag Hosting, Schnittstellen und Bereitstellung (Scan-Routing, Datenpublikation, Rechte-/Rollenkonzepte). - Endnutzer & Business-User
Bekommen jeweils passgenaue, verständliche Informationen – öffentlich bzw. berechtigungsbasiert.
Die DPP Daten
Die konkreten Inhalte hängen von der Produktgruppe ab und werden in delegierten Rechtsakten festgelegt. Typische Bausteine sind u. a.:
Die DPP-Daten definieren, welche produktspezifischen Informationen – z. B. Herstellerangaben, Materialeigenschaften oder CO₂-Fußabdruck – für eine Produktgruppe erforderlich sind. Welche Daten genau nötig sind, wird für jede Produktgruppe in sogenannten delegierten Rechtsakten festgelegt.
Der Weg dorthin: Aus der ESPR entsteht ein Arbeitsprogramm, danach folgt eine 1,5–2-jährige Vorstudie. Nach Austausch mit dem Ecodesign Forum und Interessensgruppen erstellt die EU den Rechtsakt. Nach Veröffentlichung tritt er nach 18 Monaten in Kraft.
Delegierte Rechtsakte legen Leistungsanforderungen (z. B. Energie- und Materialeffizienz, Einsatz recycelter Materialien) sowie Informationspflichten für den DPP fest (z. B. kritische Stoffe, Reparaturinfos, CO₂-Fußabdruck, Labels).
Roadmap & Zeitplan
- Ökodesign-Arbeitsprogramm: Im April 2025 wurde das erste Programm veröffentlicht. Link HIER.
- Delegierte Rechtsakte legen je Produktgruppe die Details fest.
- Verbindlichkeit: Erst 18 Monate nach Veröffentlichung des jeweiligen delegierten Rechtsakts werden Anforderungen (inkl. DPP) verbindlich.
→ Frühester DPP-Pflichtzeitpunkt: Mitte 2027.
Wichtig: Auch wenn die eigene Produktgruppe später dran ist, kann man indirekt betroffen sein (z. B. als Zulieferer von Komponenten, die in regulierte Endprodukte eingehen).
Was sollten Hersteller jetzt tun? (Checkliste)
- 1) Verantwortlichkeiten klären: Wer ist intern „DPP-Owner“? Wer verantwortet Inhalte & IT-Integration?
- 2) Dateninventur: Welche Pflichtdaten sind (voraussichtlich) relevant? Wo liegen sie (PLM/ERP/CRM/Lieferanten)?
- 3) Datenqualität & Governance: Felddefinitionen, Aktualisierungsprozesse, Zuständigkeiten.
- 4) Architekturentscheidung: Self-Hosting vs. DPP as a Service Provider; API-Strategie; Auth-/Rechtekonzept.
- 5) User Experience: Verständliche Verbraucheransicht, passende Business-Sichten, Barrierefreiheit.
- 6) Pilot & Skalierung: Mit einer Produktlinie starten, Scan-Journey testen, Feedback aufnehmen, ausrollen.
- 7) Monitoring & Compliance: Änderungsmanagement, Protokollierung, Audit-Fähigkeit.
FAQ (Kurz & bündig)
Wer ist in der Pflicht?
Primär Hersteller/Importeure. Sie können operative Aufgaben an einen DPPS Service Provider vergeben – die Verantwortung bleibt bei ihnen.
Müssen alle Daten öffentlich sein?
Nein. Verbraucher:innen bekommen eine verständliche, kuratierte Ansicht. Business-Daten können berechtigungsbasiert bereitgestellt werden.
Gibt es schon ein vollständig EU-konformes DPP?
Stand Herbst 2025: NEIN. Die delegierten Rechtsakte je Produktgruppe definieren erst die verbindlichen Details & Fristen.
Wann trifft es meine Produktgruppe?
Das hängt vom Ökodesign-Arbeitsprogramm und den delegierten Rechtsakten ab. Grobe Orientierung: erste Gruppen ab 2026/2027, Pflicht jeweils 18 Monate später.
Über EchoPRM
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- Eisen, Stahl, Aluminium: 2026 (Veröffentlichung des delegierten Rechtsakts geplant)
- Displays: 2027 (Veröffentlichung des delegierten Rechtsakts geplant)