Blogbeitrag

#7: Digitaler Produktpass (DPP): Den Digitalen Produktpass umsetzen – verschiedene Wege und Ansätze

Wie bereiten sich Hersteller und Inverkehrbringer strategisch auf die kommende DPP-Pflicht vor? Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Start und welche Rolle spielen Software-Architekturen wie die Verwaltungsschale (AAS)? Michael Trunzer von ECHO PRM beleuchtet in dieser Folge die verschiedenen Umsetzungswege und zeigt, warum Abwarten die riskanteste Option ist.

Der aktuelle Status: Was ist heute schon möglich?

Wenn wir über die Umsetzung des Digitalen Produktpasses (DPP) sprechen, gehört zur Wahrheit ein ehrlicher Blick auf den aktuellen Zeitplan. Stand 2026 gibt es drei wesentliche Faktoren, die eine finale, vollkonforme Umsetzung noch beeinflussen:

  1. Standardisierung im Endspurt: Die technische Standardisierung des DPP-Systems durch die europäischen Normungsorganisationen (CEN/CENELEC) nähert sich im ersten Halbjahr 2026 dem Abschluss. Erst danach steht das finale technische Gerüst für Konformität fest.
  2. Anforderungen an Service Provider: Die genauen Kriterien, die DPP-Dienstleister (wie ECHO PRM) erfüllen müssen, um offiziell als zertifizierte Provider zu agieren, werden für Mitte 2026 erwartet.
  3. Fehlende delegierte Rechtsakte (DRA): Außer für Batterien (wo die Pflicht ab Februar 2027 greift) sind für die meisten Produktgruppen die konkreten Datenpunkte noch nicht rechtskräftig verabschiedet.

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Unternehmen abwarten sollten. Wer jetzt startet, sichert sich wertvolle Lernkurven und nutzt sofortige Wettbewerbsvorteile im Marketing und After-Sales-Service.

Die 4 Phasen der DPP-Umsetzung

Um den Weg von der ersten Idee bis zur rechtskonformen EU-Anbindung zu strukturieren, empfiehlt sich ein Phasenmodell:

Ich möchte den Weg zur Umsetzung in die folgenden 4 Schritte aufteilen:

1

Das Mindset und die Vorbereitung

2

Den für sich richtigen grundsätzlichen Weg analysieren

3

Den Start in die konkrete Umsetzung schon heute einleiten

4

Und 4tens die Integration der EU DPP Anforderungen zum je nach Produktgruppe notwendigen Zeitpunkt

Phase 1: Mindset, Daten & Lieferanten aktivieren

Bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wird, müssen die internen Hausaufgaben gemacht werden. Der DPP ist ein abteilungsübergreifendes Projekt:

  • Abteilungen vernetzen: Technische Dokumentation, Produktion, After-Sales, Zoll und Einkauf müssen an einen Tisch.
  • Lieferanten einbinden: Erste Absprachen treffen, um die spätere Bereitstellung von vorgelagerten Produktdaten (z. B. Materialzusammensetzungen) zu sichern.
  • Datenstruktur aufbauen: Beginnen, produktrelevante Daten intern strukturiert und digital abrufbar abzulegen.

Phase 2: Die Kernentscheidung – „Make or Buy“?

Bei der technischen Umsetzung stehen Unternehmen vor einer fundamentalen Richtungsentscheidung.

Weg A: Der „Make“-Ansatz (Eigenentwicklung)

Das Unternehmen baut bestehende ERP-, PIM- oder PLM-Systeme in Eigenregie so um, dass sie die DPP-Anforderungen erfüllen.

  • Vorteile: Volle Kontrolle über die eigene Codebasis und tiefe, maßgeschneiderte Integration in eine proprietäre IT-Landschaft.
  • Nachteile: Extrem hoher Ressourcenaufwand. Ein internes Entwicklerteam muss nicht nur die Schnittstellen programmieren, sondern das System über Jahre hinweg an jede gesetzliche Änderung und jedes Sicherheitsupdate der EU anpassen.
  • Für wen geeignet? Große Konzerne mit unbegrenztem IT-Budget, eigenen Software-Abteilungen und hochgradig individuellen Systemen.

Weg B: Der „Buy“-Ansatz (DPP-as-a-Service Provider)

Nutzung einer spezialisierten Standardsoftware eines externen Dienstleisters (wie ECHO PRM).

  • Vorteile: Sofort einsatzbereit, modular aufgebaut und kosteneffizient. Der Service Provider übernimmt die gesamte regulatorische Pflege, stellt Schnittstellen zur zentralen EU-Registry bereit und sorgt für die Einhaltung aktueller Standards.
  • Nachteile: Abhängigkeit von einem externen Software-Partner.
  • Für wen geeignet? Nahezu alle kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie Konzerne, die ihre interne IT entlasten wollen.

Phase 3: Der Start in die Praxis – Zwei Strategien

Wer heute operativ loslegen möchte, wählt meist zwischen zwei unterschiedlichen Herangehensweisen:

Option 1: Der ganzheitliche Daten-Fokus (z. B. via AAS)

Dieser Weg konzentriert sich stark auf die IT-Infrastruktur. Ziel ist der Aufbau einer hochgradig vernetzten Software-Landschaft, häufig unter Nutzung der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell – AAS).

  • Charakteristik: Sehr gründlich und technologisch zukunftssicher, benötigt jedoch eine lange Anlaufzeit und erhebliche IT-Ressourcen, bevor erste sichtbare Ergebnisse am Produkt entstehen.

Option 2: Der agile „Step-by-Step“-Weg (Empfohlen für KMU)

Hier steht der sofortige, pragmatische Nutzen im Vordergrund. Gemeinsam mit einem zukünftigen Service Provider wird das System schrittweise aufgebaut:

  1. Priorisierte Use-Cases definieren: Zum Start wird z. B. nur die digitale Betriebsanleitung (beispielsweise konform zur EU-Maschinenverordnung) oder ein digitaler Service-Hub für den After-Sales-Bereich umgesetzt.
  2. Mitarbeiter schulen & Daten einpflegen: Das Team lernt den Umgang mit der Software und pflegt die ersten Datensätze ein.
  3. Operativer Markt-Roll-out: Produkte werden direkt mit QR-Codes oder NFC-Tags gekennzeichnet. Kunden nutzen ab Tag eins den Mehrwert, während das System im Hintergrund wächst.
  4. Dynamische Updates: Weitere Datenpunkte, neue Dokumente oder gesetzliche Pflichtangaben werden im Laufe der Zeit flexibel per Knopfdruck ergänzt.

Phase 4: Integration der EU-Anforderungen bei Inkrafttreten

Sobald die spezifischen gesetzlichen Vorgaben (die delegierten Rechtsakte) für die eigene Produktgruppe gelten, erfolgt die finale technische Anbindung:

  • Direkte API-Anbindung: Bei überschaubaren IT-Infrastrukturen werden die internen Datenquellen (wie ERP oder PIM) direkt per Programmierschnittstelle (API) an das System des DPP-as-a-Service Providers angebunden.
  • Integrations-Layer (AAS-Brücke): Bei hoher Produktkomplexität oder sehr fragmentierten Quellsystemen empfiehlt sich eine zwischengeschaltete Datenintegrationsplattform auf Basis der Verwaltungsschale (AAS). ECHO PRM kooperiert hierfür bereits aktiv mit führenden AAS-Erstell-Systemen, um nahtlose Konnektoren bereitzustellen.
  • EU-Registry Connection: Der Service Provider sorgt im Hintergrund für die reibungslose und automatisierte Übertragung der verpflichtenden Kerndaten an die zentralen Systeme der Europäischen Union.

Fazit: Wer heute startet, sichert sich den Vorsprung

Der Digitale Produktpass kommt unaufhaltsam. Doch statt auf die finale Regulierung zu warten und dann unter Zeitdruck ein hektisches Compliance-Projekt starten zu müssen, bietet der Step-by-Step-Ansatz die Chance, schon heute wertvolle Erfahrungen zu sammeln, Kunden mit digitalen Services zu begeistern und die eigene IT-Infrastruktur stressfrei vorzubereiten.

Machen Sie den ersten Schritt in Richtung DPP-Umsetzung! Vermeiden Sie späte Compliance-Engpässe und gestalten Sie den digitalen Wandel aktiv mit.